Valentinstag als Trauernde
Was machen Witwen an Valentinstag? Wenn du mich fragst: Die meisten versuchen, den Tag einfach nur zu überstehen. Hier erfährst du, warum das völlig okay ist – und warum du dir als Witwe trotzdem mehr erlauben darfst, als nur das reine Überleben.
Der 14. Februar als Witwe – Eine absolute Zumutung
Ich sag’s dir direkt und ohne Zuckerguss und Fondantrosen: Valentinstag als Witwe ist eine ganz besonderes Übel.
Vorsichtig wagst du dich mal raus, aus dem Witwenkokon, in den du dich in dem winterlichen Grau gerettet hast und stolperst gleich rückwärts. Denn ganz plötzlich, über Nacht ist die Welt plötzlich ist in Rosa und Rot getunkt worden. Überall Herzen. Überall glückliche Paare, die sich in der U-Bahn tief in die Augen schauen. Überall dieses „Schatz, ich liebe dich“-Gedöns, das dir wie eine schlecht sitzende Perücke vorkommt. Und du? Du sitzt da. Allein. Mit einer Leere in der Brust, die so groß ist, dass man darin das Echo hören kann, wenn du innerlich deinen Mann rufst.
Wenn du verwitwet bist und der Valentinstag vor der Tür steht, passiert etwas verdammt Fieses: Du wirst doppelt erinnert. Einmal an das, was du hattest – die Vertrautheit, das gemeinsame Abendessen, vielleicht sogar die kleinen, charmanten Streitigkeiten darüber, wer den Müll rausbringt. Und obendrein wirst du brutal daran erinnert, was nicht mehr da ist. Dass da niemand mehr ist, der dir eine Rose mitbringt (oder es charmant vergisst).
Das ist keine Kleinigkeit, die man mit einem Schulterzucken abtut. Das ist ein emotionaler Hammerschlag direkt in die Magengrube.
„Aber du bist doch so stark“ – Der Satz, den keine Witwe mehr hören kann
Du kennst diesen Satz! „Mensch, Dana, du bist doch so stark, du schaffst das schon.“
Ich konnte ihn nicht mehr hören, als ich frisch verwitwet war. Dieser Satz ist oft nur eine höfliche Art der anderen, zu sagen: „Bitte zeig mir deinen Schmerz nicht, ich weiß nicht, wie ich damit umgehen soll.“
Valentinstag ist einer dieser Tage, an denen die Maske besonders schwer wiegt. Du funktionierst im Job. Du kaufst im Supermarkt ein, während du die Pralinenschachteln in Herzform ignorierst. Du lächelst tapfer. Du sagst „Mir geht’s gut“ – weil du die mitleidigen Blicke nicht erträgst, wenn du ehrlich antworten würdest: „Eigentlich möchte ich mich gerade schreiend auf den Boden werfen.“
Aber innen drin? Da ist diese verdammte Stille. Vielleicht stehst du abends in der Küche, starrst auf die Arbeitsplatte und überlegst, ob du dir etwas Schönes kochen sollst. Für eine Person. Nur für dich. Und dann kommt dieser Gedanke wie ein Gift:
Wozu eigentlich? Für wen denn? Das lohnt sich doch gar nicht …
Falls du gerade genau das fühlst: Du bist nicht verrückt. Du bist nicht schwach. Du bist eine Witwe an Valentinstag. Und das ist einfach verdammt hart. Punkt.
Was machen Witwen an Valentinstag wirklich? (Die ungeschönte Wahrheit)
Lass uns mal ehrlich sein und den ganzen Weichzeichner weglassen. Keine der üblichen Pinterest-Listen mit „10 Selfcare-Tipps für den perfekten Valentinstag allein“ wird dir heute helfen. Das ist Bullshit. Du brauchst keine Badeperlen und keine Duftkerzen, um eine existenzielle Erschütterung wegzulächeln.
Was Witwen an Valentinstag wirklich machen, sieht oft so aus:
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Sie überleben den Tag. Und das ist eine verdammte Höchstleistung. Es gibt Tage im Leben einer Witwe, da ist das reine Durchatmen und das Erreichen des Abends ohne Zusammenbruch schon die ganze Miete. Niemand muss an einem 14. Februar seine „beste Version“ sein.
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Sie weinen. Im Auto auf dem Parkplatz vom Supermarkt. Unter der Dusche, wo das Wasser die Tränen wegspült. Oder nachts um halb zwölf, wenn Instagram mal wieder voll ist mit Pärchen-Selfies und man das Smartphone am liebsten mit voller Wucht gegen die Wand pfeffern würde. Macht man aber nicht, weil zu teuer.
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Sie reden mit ihm. Ja! Ich mache das heute noch manchmal. Und nein, das ist nicht verrückt. Das ist Liebe, die keinen physischen Adressaten mehr hat, aber trotzdem irgendwohin muss.
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Sie stellen sich die „Was wäre wenn“-Frage. Was würden wir heute machen? Welchen Film hätten wir geschaut?
Und dann gibt es Witwen, die beschließen irgendwann, dass dieser Tag auch ihnen gehört. Aber das passiert nicht sofort. Nicht im ersten Jahr, wenn der Schmerz noch wie eine offene Wunde klafft. Vielleicht nicht mal im zweiten. Aber irgendwann kommt dieser Moment.
Der Valentinstag, den dir niemand erlaubt
Hier kommt der Teil, den dir deine Freundinnen meistens nicht sagen können. Nicht, weil sie böse sind, sondern weil sie es schlichtweg nicht wissen. Weil sie nie verwitwet waren. Weil sie nicht verstehen, was es bedeutet, nach 20 oder 30 Jahren plötzlich „Ich“ statt „Wir“ denken zu müssen.
Du darfst an Valentinstag trauern. Das ist dein gutes Recht. Aber du darfst auch etwas anderes, das sich am Anfang fast wie Verrat anfühlt:
1. Du darfst dir selbst etwas Gutes tun – Ohne schlechtes Gewissen
„You can buy yourself flowers! – Kauf dir die Blumen selbst! Und zwar nicht die billigen vom Discounter, sondern die, die du wirklich liebst. Geh ins Restaurant. Allein mit einem guten Buch, mit einer Freundin oder mit einer ganzen Truppe anderer Frauen. Trink den Champagner und denk an ihn. Oder denk mal eine Stunde nicht an ihn. Beides ist völlig okay.
2. Du darfst lachen
Ich weiß, das fühlt sich am Anfang falsch an. Als würde jede Sekunde Freude bedeuten, dass du ihn vergisst oder dass deine Trauer nicht echt war. Aber das Gegenteil ist wahr: Er hätte gewollt, dass du lebst. Nicht nur existierst. Er hat dich geliebt, weil du bist, wer du bist – und nicht, damit du für den Rest deines Lebens als Schatten deiner selbst durch die Gegend läufst.
Verwitwet an Valentinstag: Die Einsamkeit inmitten von Menschen
Das Gemeinste an der Trauer ist oft nicht die körperliche Einsamkeit. Du hast vielleicht Menschen um dich. Kollegen, die nett sind. Freundinnen, die dich zum Kaffee einladen. Familie, die sich kümmert.
Aber wirklich verstanden fühlst du dich oft von niemandem.
Niemand in deinem Umfeld weiß wirklich, wie es sich anfühlt, wenn das Fundament des Lebens weggebrochen ist. Nach ein paar Monaten denken viele, du müsstest doch „langsam wieder die Alte sein“. Du merkst, wie du beim Mädelsabend nach zehn Minuten das Thema wechselst, weil du die Überforderung in ihren Augen siehst. Du willst keine Last sein. Also schweigst du.
Und dann sitzt du an Valentinstag allein auf dem Sofa und diese eine dunkle Frage schleicht sich an: Wird das jetzt immer so sein?
Die ehrliche Antwort: Nein. Muss es nicht.
Es gibt tausende andere Frauen da draußen, die genau das gleiche durchmachen. Die heute Abend auch „Witwe Valentinstag“ googeln, weil sie vor lauter Gedanken nicht schlafen können. Die wissen wollen, ob es normal ist, dass sie gleichzeitig wütend, traurig und unendlich müde sind. (Spoiler: Ja, es ist normal. Alles davon.)
Was ich dir für diesen Valentinstag mitgeben will
Ich habe keine 5-Schritte-Liste für dich. Ich habe keinen Plan, wie du morgen als neuer Mensch aufwachst. Ich habe nur das hier:
Dieser Tag gehört dir. Nicht der Werbeindustrie, nicht den glücklichen Paaren auf Instagram und nicht den Erwartungen deiner Nachbarn. Er gehört dir.
Du darfst ihn gestalten, wie es sich für dich richtig anfühlt. Du darfst ihn komplett verschlafen. Du darfst ihn durchweinen, bis die Augen brennen. Aber du darfst ihn auch feiern – mit dir selbst, mit anderen Witwen oder mit deiner Katze.
Und vor allem: Du darfst dir eingestehen, dass du mehr willst als nur das nackte Überleben. Dass du irgendwann wieder richtig leben willst. Lachen, ohne dass sofort das schlechte Gewissen anklopft. Reisen, ohne dass der leere Platz neben dir dich erdrückt. Aufwachen und einfach denken: Heute wird ein guter Tag.
Das kommt nicht über Nacht. Es ist ein Weg. Aber dieser Weg beginnt damit, dass du heute gut zu dir bist.
Du willst nicht mehr allein damit sein?
Jeden Montag schreibe ich meinen Champagner-Newsletter. Erwarte kein Mitleid und kein weichgespültes Therapeuten-Sprech. Erwarte ehrliche Worte einer Witwe an Witwen – direkt, pur und manchmal mit einem Schuss Humor. Denn Trauer und Lachen schließen sich nicht aus, sie sind oft die engsten Verbündeten.
Und wenn du merkst, dass du mehr brauchst als nur Worte auf einem Bildschirm – wenn du Frauen suchst, die wirklich wissen, wie sich dein Alltag anfühlt –, dann schau dir die
Dana Heidrich ist Witwen-Coach und Gründerin der Leben 2.0 Community. Sie schreibt auf danaheidrich.com über das Leben nach dem Verlust – ehrlich, direkt und meistens mit einer Flasche Champagner in Reichweite.
Romantisches Dinner selbstgekocht nur für dich?
Hättest du Interesse an einem Dreigangmenü, von mir kredenzt, nur für dich selbst? Musst du leider selbst kochen, ist dann aber auch gut.
Uuuuuunbedingt ein Valentinstags-Dinner. Das würde meinen Sonntag extremst aufwerten.
Am Valentinstag bestellen mein Freund und ich normalerweise leckeren Alkohol und Snacks bei https://tipsytiger.de/ und setzen uns zu einem Film. Nichts Besonderes, keine Restaurants und nicht einmal Geschenke. Nur Trost und wir beide.
auch eine schöne Lösung 🙂