
Tipps gegen Trauer
Gibt es eigentlich Tipps gegen Trauer? Was kann man tun, wenn man sich ohnmächtig vor Trauer fühlt und einem keiner mehr zuhören kann, will oder möchte?
Diese kleinen Dinge und Veränderungen haben mit während meiner Trauer geholfen, auf andere Gedanken zu kommen. Diese Tipps gegen Trauer konnten mir wieder etwas Kraft und Freude am Leben schenken. Ich hoffe, sie helfen dir bei deiner Trauer etwas aus dem akuten Tief:
Gibt es eigentlich wirksame Tipps gegen Trauer? Etwas, das hilft, wenn du dich ohnmächtig fühlst und niemand mehr zuhören kann, will oder mag? Ich bin ehrlich mit dir: Ich kann dir keinen Schalter zeigen, der den Schmerz ausknipst. Den gibt es nicht. Aber ich kann dir die kleinen Dinge zeigen, die mir in meiner eigenen Trauer wieder etwas Kraft und Freude geschenkt haben.
Genau dafür sind diese Tipps gegen Trauer da. Nicht, um deine Trauer wegzuzaubern, sondern um dich für ein paar Stunden aus dem akuten Tief zu holen. Such dir raus, was sich heute machbar anfühlt. Alles andere darf warten.
Diese Tipps gegen Trauer holen dich aus dem akuten Tief
Wenn du gerade keine Kraft für lange Texte hast, hier die Kurzfassung zum Überfliegen:
- Raus an die frische Luft und rein in die Natur
- Für Schlaf sorgen, notfalls mit sanfter Unterstützung
- Dich ablenken mit Büchern, Serien und Filmen
- Richtig heulen, ohne schlechtes Gewissen
- Nur Menschen treffen, die dir wirklich guttun
- Verreisen und den Tapetenwechsel suchen
- Lachen, auch wenn es sich erst falsch anfühlt
- Dinge allein machen und staunen, was du alles kannst
- Dich bewusst verwöhnen, jeden einzelnen Tag
- Schreiben, meditieren und etwas Neues lernen
Warum helfen diese Tipps gegen Trauer überhaupt?
Trauer ist kein Problem, das du wegdenken kannst, sondern ein Zustand, durch den dein ganzer Körper geht. Dein Nervensystem steht unter Dauerstrom, dein Kopf dreht endlos dieselben Schleifen, der Schlaf bleibt weg, der Appetit auch. Genau hier setzen diese Tipps an. Bewegung an der frischen Luft, Schlaf, Ablenkung und bewusstes Weinen geben deinem überlasteten System kleine, dringend nötige Pausen.
Sie lösen die Trauer nicht auf, das kann und soll auch niemand. Aber sie unterbrechen den Dauerstress lange genug, dass du wieder Luft bekommst. Und in diesen Atempausen sammelst du genau die Kraft, die du für den langen Weg brauchst. Es geht nicht darum, möglichst schnell wieder zu funktionieren. Es geht darum, dich Stück für Stück daran zu erinnern, dass das Leben auch jetzt noch schöne Momente für dich bereithält. Einen nach dem anderen.
1. Geh vor die Tür
Geh in die Natur, geh wandern. Spaziere durch den Park oder einen Wald. Beobachte die Blumen, die kleinen Tiere, die Bäume. Atme tief ein. Fass die Rinde an. Spüre das Moos. Fühle. Dein Kopf rast gerade, aber dein Körper kann dich erden, wenn du ihn lässt. Eine halbe Stunde draußen ist oft mehr wert als der hundertste Versuch, dich aus dem Tief zu denken.
2. Schlafe
Schlafe viel und regelmäßig und gewöhne dir eine feste Einschlafzeit an. Reminder-Apps helfen dir, dranzubleiben. Besonders wertvoll ist die Zeit zwischen 22:00 und 01:00 Uhr, dann regeneriert sich dein Körper am besten. Wenn du zu aufgewühlt bist, mach wenigstens einen Mittagsschlaf, denn Schlaf ist Balsam für die Seele. Und wenn du Glück hast, träumst du von deinem geliebten Menschen und spürst für einen Moment die alte Normalität.
Manchmal ist dein Körper aber so unter Strom, dass an Schlaf einfach nicht zu denken ist. Dann gibt es ein paar sanfte natürliche Helfer, die mir geholfen haben. Tryptophan, eine natürliche Aminosäure, hat mir schon in den stressigen Cateringzeiten gute Dienste geleistet. Melatonin ist unser körpereigenes Einschlafhormon und kann einen durcheinandergeratenen Rhythmus wieder einnorden. Und für die wirklich harten Nächte gibt es GABA.
Eines ist mir dabei wichtig: Sprich vorher kurz mit deiner Apotheke oder deinem Arzt, vor allem wenn du ohnehin Medikamente nimmst. Du musst gerade nicht auch noch herumexperimentieren. Du brauchst einfach guten, sicheren Schlaf.
(Werbung) Wenn du über meine Links bestellst, verdiene ich eine kleine Provision. Für dich kostet es keinen Cent mehr als im Laden, und du unterstützt damit meine Arbeit. Danke dir von Herzen.
3. Lies ein Buch, das dich ablenkt
Lies ein Buch, irgendein Buch. So eins, das dich komplett packt. So vergisst du die Trauer für ein paar Seiten und darfst in eine andere Welt flüchten. Kein anspruchsvoller Bildungsroman, wenn dir nicht danach ist. Hauptsache, es zieht dich rein.
4. Schaue Serien oder einen guten Film
Entdecke neue Filme und flüchte kurz in andere Welten. Lass dich komplett reinziehen, fiebere mit, schau dir Kraftfilme an. Ein paar meiner Empfehlungen: Dead to Me, After Life, Colossal, Wonder Woman und GLOW. Ja, das ist meine Mädchensichtweise, aber ein bisschen Girlpower schadet nie. Romantische Filme würde ich gerade weglassen, die machen die Trauersache oft nur schlimmer.
5. Heule
Heule richtig und geh so tief in deinen Schmerz hinein, wie er gerade ist. Weine, als gäbe es kein Morgen. Schau dir eure gemeinsamen Fotos an, hör eure Musik, guck eure Videos. Und red dich bloß nicht herunter mit "jetzt reicht es aber, ich muss doch noch abwaschen". Der Abwasch ist scheißegal, der läuft nicht weg. Das gilt für jede Arbeit, die wartet immer auf dich. Heule, bis nichts mehr kommt. Das löst auch unfassbar viel Anspannung.
6. Triff dich mit Freunden und Familie
Aber bitte nur mit den Leuten, die dir wirklich guttun. Solche, mit denen du ein gutes Gespräch führen und auch lachen kannst, Gespräche mit echten Aha-Momenten. Menschen, die mit halbherzig besorgten Fragen nur ihre Neugier stillen, die nicht begreifen, was du durchmachst, oder die Phrasen dreschen wie "da musst du jetzt halt durch", darfst du in dieser Zeit getrost meiden. Du schuldest niemandem deine Energie.
7. Verreise
Plane einen Kurztrip, flieg weg. Besuch Freunde, egal wo auf der Welt. Komm raus aus deinem Umfeld und sorg für neuen Input. Ein Tapetenwechsel unterbricht die Gedankenschleifen, in denen man sich zu Hause so leicht verheddert.
8. Lache
Schau dir lustige Videos an, lies etwas Albernes, triff dich mit deinen verrücktesten Freunden. Lachen fühlt sich anfangs vielleicht falsch an. Ist es aber nicht. Es ist Sauerstoff.
9. Mache Dinge allein
Und staune, was du alles kannst. Geh allein ins Kino, wie schön, wenn keiner reinquatscht. Mal etwas. Geh in den Baumarkt und bau dir was zusammen. Streich die Wände. Mach eine Radtour. Setz dich allein ins Restaurant. Meld dich im Fitnessstudio an. Such dir ein Hobby. Jedes Mal, wenn du etwas allein schaffst, bekommst du ein kleines Stück Selbstvertrauen zurück.
10. Verwöhn dich
Mach jeden Tag etwas, das dich glücklich macht. Kauf dir Blumen, pflanze etwas, gönn dir ein ausgiebiges Bad. Kauf dir eine Kette. Iss ein Eis. Koch dir ein richtig leckeres Essen, zum Beispiel eine Reisbowl mit Gewürztofu. Das ist kein Egoismus. Das ist Selbstfürsorge, und die hast du dir mehr als verdient.
11. Führe ein Trauertagebuch
Schreiben ordnet das Chaos im Kopf. Speziell für die Trauer habe ich Trauertagebücher gestaltet, die dich mit geführten Fragen sanft begleiten und dir helfen, alle Erinnerungen an deinen Liebsten lebendig zu halten. Falls dir ein leeres Notizbuch lieber ist, tut es das genauso. Hauptsache, du bringst raus, was sich innen staut.
12. Meditiere
Fang an zu meditieren. Wenn dir das zu abstrakt ist, nutz eine App auf dem Handy. Ich mag Headspace sehr, das erinnert dich nebenbei auch ans Schlafengehen. Schon fünf Minuten am Tag bringen deinen rasenden Kopf ein Stück zur Ruhe.
13. Erlerne etwas Neues
Wenn die Trauer dich übermannt, kann ausgerechnet ein kleiner Erfolgsmoment Licht ins Dunkel bringen, das Gefühl, etwas Neues gelernt zu haben. Besonders Zeichnen hilft, den Gefühlen Ausdruck zu geben, und du musst es niemandem zeigen. Gerade wenn mit deinem Menschen auch dein alter Lebenssinn weggebrochen ist, kann etwas Neues der erste zarte Faden zu einem neuen sein.
Was tun, wenn die Tipps gegen Trauer gerade nicht reichen?
Manchmal sind die Wellen zu groß für jeden Spaziergang und jede Serie. Das ist kein Versagen, das ist Trauer in ihrer ganzen Wucht. Wenn du merkst, dass du seit Wochen gar nicht mehr herauskommst, hol dir Unterstützung. Bei einer Trauerbegleitung, in einer Therapie oder bei Frauen, die genau dasselbe durchmachen. Du musst da nicht allein durch, und es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu holen.
Häufige Fragen zu Trauer
Was hilft wirklich schnell gegen Trauer?
Ehrlich? Nichts nimmt den Schmerz auf Knopfdruck weg. Aber Bewegung an der frischen Luft, Schlaf und bewusstes Weinen holen dich am zuverlässigsten für ein paar Stunden aus dem akuten Tief. Fang mit dem Punkt an, der sich heute am machbarsten anfühlt.
Ist es normal, dass ich mitten in der Trauer lachen kann?
Ja, völlig. Lachen ist kein Verrat an deinem Menschen und kein Zeichen, dass du ihn vergisst. Es ist eine Atempause, die dein Nervensystem dringend braucht. Erlaub sie dir ohne schlechtes Gewissen.
Wie lange dauert es, bis es besser wird?
Dafür gibt es keinen Kalender. Trauer kommt in Wellen. Manche Tage sind erträglich, andere werfen dich um. Wichtig ist nicht, wie schnell es geht, sondern dass du dranbleibst und dir Hilfe holst, wenn es zu viel wird.
Was kann ich gegen Schlaflosigkeit in der Trauer tun?
Feste Einschlafzeiten, Bildschirm aus und notfalls sanfte natürliche Helfer wie Melatonin können deinen Rhythmus wieder einnorden. Sprich dafür kurz mit deiner Apotheke. Auch ein Mittagsschlaf zählt, jede Stunde Schlaf ist Balsam.
Darf ich mir in der Trauer überhaupt etwas Gutes gönnen?
Unbedingt. Dir Blumen zu kaufen oder ein Eis zu essen ist kein Egoismus, sondern Selbstfürsorge. Du lebst weiter, und Weiterleben darf sich mit der Zeit auch wieder gut anfühlen.
Ich hoffe, diese Tipps gegen Trauer konnten dir ein kleines Stück weiterhelfen. Welcher Tipp hilft dir am meisten? Schreib es gern unten in die Kommentare.
Du willst nicht allein durch die Nächte?
Falls du diesen Beitrag gerade nicht wegen ein paar netter Tipps liest, sondern weil dir das Wort Trauer den Boden unter den Füßen weggezogen hat: Du bist nicht die Einzige, die nachts um drei nach irgendetwas sucht, das sich anfühlt wie Hoffnung.
Jeden Montag verschicke ich meinen Trauerglitzer-Newsletter an über 1.300 Frauen, die das kennen. Kein Coaching, kein Ratgeber-Ton. Einfach jemand, die den gleichen Mist durchhat und dir ehrlich erzählt, wie es danach weitergeht.
Liebe Dana, was für wunderbare Tipps! Ich bin in jeder freien Minute mit unseren Schnauzerjungs draußen unterwegs, bei Wind und Wetter, wenn der Wind um die Nase weht nimmt er die Trauer irgendwie mit, und auch die Bäume trösten und helfen sehr! Und Baumarkt ist auch top, frau kann die Mitarbeiter dort prima mit Fragen löchern und viel lernen ;o) Empfehlen kann ich auch ein Fernstudium zu beginnen und neue Dinge auszuprobieren, wo man sich – aus welchen Gründen auch immer – bisher nie drangetraut hat – das Gefühl, wenn es dann klappt, ist unbeschreiblich :o)) Auch der Tipp mit den Kurztrips ist Gold wert, einfach mal was anderes sehen und neue Ideen und Inspirationen bekommen, soooo wichtig – allerdings: unser Trauerredner sagte „laufen Sie der Trauer nicht davon, sie ist immer schneller als Sie“ und damit hatte er völlig recht, man kann davor nicht abhauen, man kommt aus der Nummer einfach nicht raus :o(
kommt gut durch diese verrückte Zeit, lasst Euch nicht unterkriegen und bleibt schön gesund, Susanne mit Herrn Luckner und Gustav
Liebe Susanne, stimmt, Du hast vollkommen Recht. Es ist auch die beste Zeit, um etwas zu lernen (wenn man sich darauf konzentrieren kann). Ich werde gleich noch ein paar Links diesbezüglich einbauen.
Und auch mit dem wegrennen hast Du vollkommen Recht. Trauerarbeit ist Arbeit, und das bedeutet, sich diesem Schmerz stellen zu müssen. Der Schmerz holt einen auch ständig ein, da hilft auch kein Kurztrip. Wiederum ändert ein Kurztrip die Sicht auf die Dinge und stärkt das Selbstbewusstsein, wodurch man wiederum mit dem Schmerz besser umgehen kann.
Danke für Deinen wunderbaren Kommentar und ganz liebe Grüße, auch an Herrn Luckner und Gustav!
Hallo liebe Dana , ich bin Helmuth (74 J), also ein Witwer, der aber oftmals eher wie eine Witwe trauert.
Kennst du vielleicht einen Blog oder ein Forum , das sich an trauernde Männer wendet?..
Lebe hier im nördlichen Oberfranken, da gibt’s vor Ort bis auf ein Trauer Café nix!!!
Bin seit einem halben Jahr verwitwet ( Hirntumor, 1 1\2 Jahre hoffen, bangen, verzweifeln..)
Danke für deine Hilfe und ich lese regelmäßig deinen Montagsblog…
Hallo lieber Helmut,
Hast du schon meine Seite speziell für Männer entdeckt? https://www.danaheidrich.com/maennertrauer/ Vielleicht können wir zwei ja mal direkt quatschen. Ansonsten plane ich auch schon etwas für die Herren der Schöpfung. Wenn du dich auf den Newsletter angemeldet hast, bekommst du demnächst direkt Post. Ich schick dir ganz viel Kraft!
Alles Liebe für dich, Dana
Ich bin seit vier Monaten allein . Habe das Gefühl dass mich manche Menschen nicht verstehen . …Ich komme mit dem Alleinsein nicht klar und mit fehlt der Mut für Unternehmungen. Bin fast den ganzen Tag mit dem Auto unterwegs und gegen Abend komme ich etwas zur Ruhe . Ich bin total nervös und unkonzentriert. Was soll ich machen? Danke für die Antwort
Liebe Evelyn, mein tiefes Mitgefühl. Das was du beschreibst, ist in der Trauer leider ganz normal. Dein Körper muss diesen enormen Schock verarbeiten, entsprechend holt er sich von überall die Ressourcen und du bist deswegen vergesslich, nervös und unkonzentriert. Sei gut zu dir, nimm dir Auszeiten, wenn du nicht mehr kannst, lass dich krankschreiben. Psychotherapie oder Trauerbegleitung hilft dein Leben wieder auf die Spur zu bekommen. Oder abonniere meinen Newsletter. Da bekommst du jeden Monat Tipps, wie du mit deiner Trauer umgehen kannst. Alles Liebe dir! Dana
Liebe Dana,
morgen ist mein Mann eine Woche tot. Ich kann vor Panikattacken kaum Zuhause sein. Das Bewusstsein, er kommt nie wieder und ich bin allein, nimmt mir die Luft zum Atmen.
Meine drei Jungs wohnen in unmittelbarer Nähe und helfen mir, so gut sie können.
Ich will aber nicht immer stören, sie haben ja auch ihre Familie.
Mein Mann und ich sind 48 Jahre zusammen und 43 Jahre verheiratet …
Es tut so unglaublich weh.
Liebe Grüße, Annette
dieser Schock ist so furchtbar. Die ersten Wochen… es tut mir so leid!