Alleinsein nach Verlust des Partners

Einsamkeit nach Tod des Partners

von | Jan 13, 2023

Wenn dein Wichtigstes von dir gegangen ist, bleibt da diese große Einsamkeit. Dieser Verlust hinterlässt ein riesiges Loch. Was kann man gegen dieses Alleinsein in der Trauer tun? Was hilft gegen die Einsamkeit nach dem Tod des Partners?

Wie es mir jetzt geht

Es ist warm. Die Sonne scheint, ich stehe am Strand. Wie bin ich hier hingekommen? Wenn man betrachtet, dass ich heute vor vier Jahren noch meinen letzten Urlaub gemeinsam mit meinem Mann verbracht habe. Unvorstellbar. Nur einen Monat später sollte Steffen plötzlich sterben. 

Seitdem lache ich nur noch auf die Frage hin, wo ich mich in fünf Jahren sehe. Alter! Weißt du, wo ich vor fünf Jahren war? In einem anderen Leben. Im Paralleluniversum. Hätte mir jemand das hier alles erzählt, ich hätte gefragt, welche Drogen er nimmt … 

Doch jetzt stehe ich hier. In der Sonne. Am Meer. 

Als starke, unabhängige Version meiner selbst. Mein ganzes Leben hat sich um 180 Grad gedreht. Ich habe einen großen Freundeskreis und viele neue Bekannte, die mich auf meinem neuen Weg unterstützen. Von überall aus auf der Welt. 

Doch das war nicht immer so:

Wann war mein Tiefpunkt?

2019 im April. 

Es gab eine rauschende Beerdigung für Steffen. Ja, rauschend. Die Zeit bis Steffens Beerdigung habe ich mit der Planung und Organisation dieses Abschieds verbracht. Bis zu diesem Datum hatte ich eine Aufgabe. Ich musste die beste Abschiedsfeier organisieren, die möglich war. Eine Feier, die Steffen halbwegs gerecht wurde. 

Während der ganzen Vorbereitung der Abschiedsrede, der Planung der Organisation und der Zubereitung der Speisen war ich auf magische Weise mit Steffen verbunden. Natürlich war es fürchterlicher Stress, aber ich fühlte mich Steffen dabei so unfassbar nah. 

Es war ein gutes Gefühl, von allen Freunden von Steffen umgeben zu sein. Jeder trug ein Stückchen Steffen in sich. Doch der Tag danach war die absolute Hölle:

Ich trudelte in ein bodenloses emotionales Loch hinein.

Die Beerdigungsfeier war vorbei. 

Das Letzte, was ich für Steffen tun konnte, war nun erledigt.

Alle fuhren nun wieder zurück in ihr altes Leben zurück. In ihre Wohnungen und Häuser mit ihren Partnern. 

Sie würden sich auf dem Heimweg von der Trauerfeier darüber austauschen, wie schlimm es für mich sein muss. 

Doch am folgenden Montag würden alle wieder wie bisher aufstehen und auf ihre Arbeitsstellen fahren und ihr Leben würde ganz normal weitergehen.

Nur ich war jetzt mutterseelenallein.

So einsam und ohne meinen Seelenpartner.

Ohne den Menschen, mit dem ich mich bisher über alles unterhalten konnte.

Im Tal

Ich war so allein, wie ein Mensch nur allein sein kann. Wenn der Partner stirbt, ist die Person, mit der man sich über alles austauschen konnte, einfach weg. Der geliebte Partner ist tot. 

Das war rückblickende der schlimmste Moment in meiner Trauerphase.

Natürlich konnte ich mich in Selbstgesprächen verlieren, aber die Antwort dieses Menschen, der mir so wichtig war, blieb aus.

Berührungen – wie sehr ich sie vermisste. In meiner Traurigkeit einfach mal in den Arm genommen zu werden. 

Beim Einschlafen fantasierte ich mir den breiten Rücken meines verstorbenen Partners herbei. Ich griff ins Leere, dort wo seine Schulter hätte sein sollen. 

Ich zerstob sein Parfüm in meiner Kopfhöhe, nur um ein Gefühl von seiner Präsenz zu bekommen. In Verbindung mit dem Kaffeegeruch aus der Küche ließ sich olfaktorisch eine Erinnerung an eine vergangene Zeit heraufbeschwören, die mich in Tränen ausbrechen ließen. 

Der Schmerz in mir war kaum auszuhalten. Einsam ohne meinen Partner. Ganz allein. Am schlimmsten war es abends, wenn irgendein Tagwerk erledigt war. Ich gebe offen zu, die ein oder andere Flasche Rotwein half mir in dieser Anfangszeit. 

Bei Treffen mit Freunden war ich stets tapfer, ich gab die starke Dana. Niemand sollte sich in meiner Gegenwart unwohl fühlen. Wollte ich doch nicht noch mehr Menschen verlieren. Mein schwarzer Humor half mir und auch den anderen, mit mir umzugehen. War doch die ganze Situation schon bizarr:

Einer ihrer besten Freunde war plötzlich gestorben, ein geliebter Mensch. Jeder wollte der Witwe irgendwie helfen. Doch mein Schmerz war für die Angehörigen unvorstellbar und keiner wusste, wie er mit mir umgehen sollte. Konnte sich doch keiner vorstellen, wie es mir im Innersten erging. 

 

Unsicherheit

Da war ich nun. Mit 41. Allein. Verwitwet. Ohne Job. Ohne Zukunft. Ohne Antrieb. Ich wollte nur meine Ruhe. Und ich hatte Existenzangst. Ich stand vor einer riesigen, unüberwindbaren Wand.

Ohne Job

Nach meiner Selbständigkeit im Catering hatte ich dieses nur einen Tag nach dem Tod von Steffen an den Nagel gehängt. Warum sollte ich mich auch noch für dieses, unser Unternehmen, unser gemeinsames Baby aufreiben? Steffen war tot! Nichts machte mehr Sinn.

Ich habe kurzfristig eine Arbeit in einer Küche angenommen. Doch nie mehr mit Steffen zusammenarbeiten zu können, war furchtbar. Und in der Küche waren die Kollegen die Hölle.

Auf den vielen Fahrten durch die Brandenburgische Weite – auf den unzähligen Alleestraßen habe ich so oft gedacht: “warum jetzt nicht einfach mit Karacho direkt in einen Baum fahren?”.

Ich war am absoluten Ende und wollte nicht mehr so weiterleben.

Aber umbringen wollte ich mich auch nicht.

Ich hoffte einfach jeden Abend, dass ich am nächsten Morgen nicht mehr aufwachen würde.

Dass dieser Kampf hier endlich vorbei ist.

 

Nur mit Hilfe aus dem Tief

Meine Chefin, meine einzige Verbündete in meinem neuen Job, sagte: “geh zum Arzt, du hast mindestens Burnout”. 

Meine Hausärztin sagte: “Du brauchst professionelle Hilfe!”

Diese beiden Menschen haben mir den Schubs in die richtige Richtung gegeben. 

Parallel fand ich auf Instagram Verbündete, die dasselbe wie ich fühlten und ausdrückten. 

Leider nur auf englisch und in Amerika. 

Und ich verstand langsam: Alles was ich in diesem Moment fühlte und wie es mir gerade ging, all das war vollkommen ok. 

Ich brauchte Menschen um mich herum, die nicht sofort in Schockstarre oder Ignoranz erstarrten, wenn ich erzählte, wer ich bin und was mir passiert ist. 

Ich brauchte ein sicheres soziales Netz aus Menschen um mich herum, die:

  • mich nicht werten
  • jede meiner Entscheidungen akzeptieren
  • mich nicht bemitleideten
  • mir zuhörten

Und diese Menschen fand ich in

  • meiner Psychotherapeutin
  • meinen besten Freunden und der engsten Familie
  • Instagram – anderen trauernden Frauen
Fünf Tipps nach Verlust des Partners gegen Einsamkeit

Was tun gegen Einsamkeit nach Tod des Partners?

Wenn sich das ganze Leben auf eine Person gestützt hat und diese Säule dann wegbricht, fällt man in ein tiefes Loch. Und egal wie reflektiert und emanzipiert man ist: mit der Liebe zu einer Person neigen wir dazu, alles zu tun, dass sich die andere Person wohl fühlt. 

Wenn dann diese Person wegbricht, verlieren wir unseren Lebensinhalt. Unseren Sinn. Wir fühlen uns einsam und allein. Also müssen wir einen neuen Sinn im Leben finden und das ist oft leichter gesagt als getan. 

Und zum Aufbau eines neuen Lebens braucht es ein stabiles Fundament. Und das geht nur mit innerer Stabilität:

 

Was hilft gegen die Einsamkeit?

  • Freunde und Verwandte

Du bist nicht allein: egal wie einsam du dich auch gerade fühlst. Manchmal musst du auch ein bisschen auf die Leute zugehen und als erstes die Hand reichen. Sie wissen einfach nicht, wie sie mit dir umgehen sollen.. 

  • Schreiben

Schreibe alles auf. Oder spreche es in den Rekorder deines Handys. Alle Gedanken, die in deinem Kopf brodeln, müssen irgendwo hin. Wie in einem riesigen Kessel, der überkochen will. Ab und an muss man etwas Wasser abschöpfen (schreiben, diktieren) oder den Druck ablassen (heulen und schreien). 

  • Gespräche mit anderen Betroffenen

Realisiere, dass dein Problem leider ganz “normal” ist. Deine Gefühle sind vollkommen normal. Deine nicht vorhandene Belastbarkeit. Wir waren alle schon mal da. Und manche kommen erst noch dahin. Manche sind schon weiter, andere sind noch am Anfang. In einer online stattfindenden Trauergruppe kannst du gleichzeitig anderen Menschen, die genauso trauern wie du, helfen und auch dir wird geholfen. 

  • Validierung, dass du ok ist, so wie du bist

So eine Selbsthilfegruppe macht Mut und gibt Kraft. Du bist nicht allein mit deinen Sorgen. Manche waren schon an genau demselben Punkt wie du, und haben hilfreiche Tipps. Du wirst sehen, alle haben mit denselben Sorgen, Ängsten und Nöten zu kämpfen. Doch gemeinsam gegen den Trauerschmerz zu kämpfen, ist tröstender. Und wenn dir niemand mehr sagen kann, wie toll du bist, dann tuen es die anderen in der Gruppe ganz bestimmt!

  • Eine Idee/Hobby/Beschäftigung

Wenn dein Sinn, deine Liebe ins Bodenlose fällt, hilft irgendeine Beschäftigung. Ein neuer Sinn im Leben. Und es ist egal, ob du Katzen im Tierheim Bücher vorliest, bei der Tafel hilfst, eklektische Bilder malst oder einen Blog über SciFi-Filme startest. 

Eine Beschäftigung, die deinem Leben wieder einen Sinn gibt, ist ein sehr starker Anker. 

Du möchtest auch deine Power zurückerlangen? Hier kannst du einen regelmäßigen Impuls erhalten, der dich wieder zurück ins Leben bringt: