Verdienen Trauernde Mitleid oder Mitgefühl und wo liegt der Unterschied? Wie kann ich Trauernde wirklich unterstützen?

Mitleid oder Mitgefühl

von | Dez 1, 2021

Mitleid oder Mitgefühl in der Trauer, was hilft dir wirklich? Warum nervt dich das Mitleid der anderen nach deinem Verlust so sehr? Hindert dich Mitleid bei der gesunden Trauer? Was ist der Unterschied zum Mitgefühl und wie kannst du Trauernden wirklich bei der Trauerbewältigung helfen?

Was ist eigentlich Mitleid?

Mitleid ist das Echo deiner eigenen Gefühle in der Situation eines anderen Menschen. Es entsteht, indem du dir vorstellst, wie du dich – mit deinem aktuellen Wissen und deinen Erfahrungen – in einer ähnlichen Lage fühlen würdest. Dieses Gefühl des Mitleids basiert auf der Vorstellung, dass geteiltes Leid halbes Leid sei. Diese Idee, tief in der christlichen Tradition verwurzelt, ist jedoch irreführend. Mitleid baut auf einem Glaubenssatz auf, der im Endeffekt niemandem hilft. Stattdessen verstärkt es oft das Leid des anderen, indem es den Schmerz lediglich spiegelt, ohne wirklich Unterstützung zu bieten. Im Gegensatz dazu ist Mitgefühl viel wertvoller. Es bedeutet, sich in die Lage des anderen zu versetzen und aktiv zu helfen, ohne die eigene emotionale Last zu projizieren.

Wenn ich könnte, würde ich dir deinen Schmerz abnehmen!

Bah! Schön gesagt, wenn man weiß, dass es eh nicht funktioniert. Das sind nur hilflose Lippenbekenntnisse, denn seien wir mal ehrlich: du kennst deinen Trauerschmerz zu gut und du würdest einen Teufel tun, dir diesen von irgendjemand anderen nochmal freiwillig aufzuhalsen. Egal wieviel Nächstenliebe du in dir trägst, denn:

this time hits different

Du fühlst das? Melde dich zum Newsletter an:

Wenn du magst, bekommst du von mir jede Woche Post, mit neuen Ideen, wie du auf eine positive Weise deine Trauer bewältigen kannst. Echte Tipps von einer, die es da durch geschafft hat.

Mit meinen Beiträgen unterstütze ich mittlerweile tausende Frauen mit meinen Impulsen, ihre Trauer zu bewältigen.

Ab jetzt kann es nur besser werden – worauf wartest du noch?

Mitleid ist ganz schön unnütz und lässt andere sich schlecht fühlen.

Mit Mitleid beobachtest du lediglich. Den Bettler am Straßenrand, dem du den Euro gibst – du würdest ihn niemals mit nach Hause begleiten und helfen, wieder im eigenen Leben Tritt zu fassen. Du machst einen Ablasshandel – Euro gegen gutes Gewissen. Der Euro bedient dein Mitleid. Nichts weiter. Dem Bettler hilft der Euro nicht, er verlängert nur seine Situation.

Mitleid oder Mitgefühl in der Trauer ist besonders relevant. Wenn jemand Angst vor einer bestimmten Sache hat und du ihm diese Angst immer wieder abnimmst, hilfst du der Person nicht wirklich. Im Gegenteil, du nimmst ihr die Möglichkeit zur Selbstbestimmung und zum Wachstum. Manche Dinge müssen erst richtig weh tun, bevor der Knoten im Kopf platzt und wahre Heilung beginnen kann.

Mitleid ist also eher eine passive Haltung mit bitterem Beigeschmack. Wir stellen zwar eine emotionale Bindung zur betroffenen Person her, bedauern aber unser Gegenüber gleichzeitig. Mitleid oder Mitgefühl in der Trauer zeigt den Unterschied deutlich: Während Mitleid das Leid nur verstärkt, geht es beim Mitgefühl darum, aktiv zu helfen und Unterstützung zu bieten, ohne die eigene emotionale Last auf den anderen zu projizieren. Mitgefühl bedeutet, wirklich präsent zu sein und der Person zu helfen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.

Nach dem Verlust neu beginnen - wie geht das

Was kann man mit Menschen tun, die keinen (Lebens)Willen mehr haben?

Wenn jemand psychisch so am Boden ist, dass er keinen eigenen Willen mehr hat, und du aber helfen möchtest, ist es wichtig, ihm mit Mitgefühl und Geduld zu begegnen. Hier sind einige Ansätze, die helfen können:

Aktives Zuhören

Nimm dir Zeit, wirklich zuzuhören, ohne zu urteilen oder Ratschläge zu geben. Manchmal brauchen Menschen einfach jemanden, der ihre Gefühle und Gedanken anerkennt und validiert.

Sichere Umgebung schaffen

Sorge dafür, dass die Person sich in einer sicheren und unterstützenden Umgebung befindet. Dies kann bedeuten, ein ruhiges und vertrautes Umfeld zu schaffen, in dem sie sich geborgen fühlen kann.

Professionelle Hilfe einbeziehen

Ermutige die Person, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Therapeuten und Berater sind geschult, um Menschen in extremen psychischen Notsituationen zu unterstützen.

Kleine Schritte und Erfolge

Hilf der Person, kleine und erreichbare Ziele zu setzen. Jede kleine Errungenschaft kann das Selbstvertrauen und den eigenen Willen langsam wieder aufbauen.

Praktische Unterstützung

Biete konkrete Hilfe an, sei es bei alltäglichen Aufgaben oder bei der Organisation von Terminen. Praktische Unterstützung kann den Druck mindern und Raum für Erholung schaffen.

Geduld und Verständnis

Sei geduldig. Heilung und der Wiederaufbau des eigenen Willens brauchen Zeit. Zeige Verständnis für Rückschritte und sei da, um die Person wieder aufzurichten.

Förderung der Selbstfürsorge

Ermutige die Person, kleine Selbstfürsorgerituale in ihren Alltag zu integrieren. Ob es ein Spaziergang, ein warmes Bad oder ein gutes Buch ist – diese kleinen Dinge können einen großen Unterschied machen.

Erinnerung an Stärken und Ressourcen

Hilf der Person, sich an ihre eigenen Stärken und früheren Erfolge zu erinnern. Dies kann ihr Selbstbewusstsein stärken und ihr helfen, wieder an ihre eigenen Fähigkeiten zu glauben.

Menschen, die psychisch am Ende sind, brauchen Mitgefühl und Unterstützung, aber auch Raum und Zeit, um ihre eigene Stärke wiederzuentdecken. Mit Geduld, Liebe und Verständnis kannst du ihnen helfen, ihren eigenen Weg zurück ins Leben zu finden.

Das Unglaubliche, was geschieht, wenn du dich selbst wieder aufrichtest:

Die ganze Sache ändert sich schlagartig, wenn du es schaffst, dich selbst an deinen Haaren aus der Scheiße zu ziehen. Und ich schätze dich so ein, dass du so eine bist.

Dann passiert ein ganz verrücktes Phänomen: Diejenigen, die dich vorher so wortreich bemittleidet haben, fangen an, sich von dir zu distanzieren.

Wenn du es schaffst, wieder aus deinem Loch herauszukommen, dir gar ein besseres Leben als zuvor aufzubauen, dann wirst du viel Gegenwind erfahren.

Warst du vorher noch das Opfer, von dem man wohlig schaudernd wieder nach Hause fährt, überholst du sie jetzt mit deiner neu gewonnenen Persönlichkeit und Stärke, wie sie nur Witwen innehalten.

Denn manche Trauernden wollen einfach in ihrem Mustopf liegen bleiben, sich bemittleiden, sich über die Trauer definieren. Es ist ja wohnlich da, alles ist bekannt, alles ist sicher dort im „Damals“. Nur du willst da raus und tust alles dafür. 

Menschen wie du, die jedoch ständig Neues wagen, weiter gehen, immer einmal mehr wieder aufstehen sind solchen Mustopf-Menschen suspekt. Und denen, die es mal werden wollen. Den „das haben wir schon immer so gemacht“-Menschen.

Das Mittel der Macht von diesen Mustopfmenschen ist oft das Mitleid. Denn durch so eine Mitleidsnummer können sie den anderen schön da unten klein halten.

„Ist doch schön hier, es funktioniert doch auch so. Du musst nicht arbeiten, der Staat sorgt für dich. Bestell das Essen doch online, dann musst du nicht mehr raus.“

Menschen, die Mitleid empfinden, brauchen gleichzeitig diesen wohligen Schauer, wenn sie auf jemanden herabblicken und denken: „Ach herrje, dem geht es ja furchtbar. Ach, muss das furchtbar sein, so etwas zu erleben.“

Doch gedulde dich, auch sie werden noch dahin kommen, wo du gerade bist. Und es wird fürchterlich. Gerne gebe ich den Mädels in meiner Community mit:

„Für immer“ gilt leider immer nur für einen

In Zeiten des eigenen Elends ist Mitleid das Letzte, was du brauchst. Nicht nur, dass du genügend mit dir selbst zu kämpfen hast, jetzt musst du auch noch deren schmerzverzerrte Sichtweise ertragen. Deren Vorstellung von dem Schmerz, welchen du gerade erträgst. Und nur du selbst weißt, dass sich das, was du hier gerade erlebst, sich vollkommen anders anfühlt, als die Vorstellung davon.

Und so hast du weitere Sorgen auf deiner Liste der Dinge, über die du dir noch nie Gedanken machen wolltest. Denn diese weiteren Sorgen sind deren persönliche Ängste.

Mitleidige Menschen beobachten dich und dein Leid, schütteln sich danach innerlich und kehren selbstgefällig in ihr eigenes Leben zurück um sich dann dort über weiteren belanglosen Kram aufzuregen, als wäre nichts geschehen.

Währenddessen sitzt du weiterhin in deinem echten Elend fest, ohne dass du in den Alltag oder in die Zukunft fliehen kannst. Obendrein hat sich durch deren Mitleid so gar nichts für dich geändert. Höchstens verschlimmert.

Was du jetzt aber weißt, ist dass die Trauer natürlich scheiße ist, aber nicht ganz so scheiße, wie du dir das damals vorgestellt hast. Also nicht besser oder so, oder schöner. Sondern einfach unerwartet krass anders scheiße. Next-Level-Scheiße. Dinge, die du dachtest, sie würden sich so und so anfühlen, fühlen sich anders an und andere Dinge knallen unverhofft rein, so dass du gar nicht reagieren kannst. Jetzt verstehst du auch, warum Mitleid nicht funktionieren kann, denn die Vorstellung aus dem Mitleid heraus ist komplett anders als die Realität.

Denn die Trauer ist deine Realität und das Mitleid der anderen ist deren Realität.

Trauerarbeit ist wie ein Sprint durch die Schützengräben: der tiefe Bombenkrater sieht scheinbar sicher aus, ist aber gefüllt mit zerfetzten und stinkenden Leichen. Aber dort oben, da auf dem Hügel, da kannst du die sichere Laufrichtung wieder erkennen, in welche du weitersprinten solltest. Du brauchst jemand, der dir sagt: Hoch, steh auf! da oben geht es weiter!

Jede diese mitleidigen Äußerungen schubst dich wieder zurück auf den Leichenhaufen, aus dem du dich gerade nach oben geboxt hast. Und das noch viel Schlimmere daran ist, du verlierst den Mut und den Kampfgeist, dich immer wieder neu ans Licht zu kämpfen.

Gewöhnlich verschwinden mitleidige Menschen sehr schnell, wenn es dir wieder etwas besser geht, denn sie saugen nur von deinem Leid, sie wollen dir nicht helfen.

Mitgefühl statt Mitleid

Im Gegenteil zu Mitleid ist das Mitgefühl das Mittel der Wahl. Mitgefühl behandelt einander auf der gleichen Ebene. Fange mit dem Mitgefühl mit dir selbst an. Auch ich habe eine Zeitlang mehr Selbst-Mitleid als Selbst-Mitgefühl gehabt. Das mag für den Anfang probat sein. Aber der Unterschied ist, dass man bei Selbst-Mitleid auf dem Level verharrt. Man bleibt automatisch da unten im Keller. Das Selbst-Mitgefühl hingegen macht so Dinge wie:

Und genau so geht das mit Mitmenschen. Freunden und lieben Verwandten.

Hier sagt eine Tat mehr als tausend Worte. Ein simples in den Arm nehmen, ein fester Drücker, ein gemeinsam frisch gekochtes Abendessen.

Zuhören! Da sein! Nicht werten!

Alte und neue Freunde

Verwechsele Mitleid also nicht mit dem Mitgefühl deiner echten und engen Freunden – die schon vorher da waren oder auch neue Trauerkumpels, die genau wissen, wo du gerade stehst. Das ist Mitgefühl. Sie haben Mitgefühl mit dir und deiner Situation, und sie werden dir bei jeder Gelegenheit im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen. Freunde agieren auf Augenhöhe, und wenn nicht, dann sind es eben nicht deine echten Freunde. Simpel, oder?

Zugegeben, ich habe das unfassbare Glück sehr gute Freunde zu haben. Erste Reaktionen, die mir direkt nach Steffens Tod geholfen haben, „out of the box“ zu denken und über eine Welt danach nachzudenken, waren:

„Well, you are completely fucked. What´s the status, what could you do now?“

„nein, der nächste Typ wird nicht wie Steffen sein. Vielleicht sieht er auch aus wie Danny de Vito, klein und fett, dafür ist er aber reich.“

Dann gibt es aber auch noch die Freunde, die durch den Schock genauso gelähmt sind, wie du vielleicht, und die sich zurückziehen. Es gibt vielleicht maximal eine kurze Äußerung, vielleicht auch gar nichts. Meistens sind es die sensiblen Freunde. (nicht verwechseln mit wirklichen feigen Arschlöchern, aber du kennst deine Pappenheimer selbst am besten.)

Die Stunde der stillen Freunde kommt viel später, vielleicht genau dann, wenn die anderen MItleider nicht mehr da sind. Schreib sie nicht ab.

danaheidrich.com/.well-known/apple-developer-merchantid-domain-association