Trauer im Urlaub. Der erste Urlaub nach dem Verlust allein

Trauer im Urlaub

von | Jul 7, 2023

Urlaubszeit – Reisezeit. Wie ist das mit Trauer im Urlaub? Was bedeutet Urlaubszeit für Trauernde? Warum wird der Trauerschmerz im Urlaub schlimmer? Wie kann man nach dem Verlust allein in den Urlaub fahren? Hier findest du Tipps, wie du die Urlaubszeit mit deiner Trauer überstehst.

Warum mir das Reisen allein in der Trauer geholfen hat

In dem Jahr, als Steffen starb, beobachtete ich eine faszinierende Sache an mir: all meine einfachen Emotionen waren betäubt, ich spürte nur den barbarischen Schmerz des Verlustes. Doch alles, was mir vorher Sorgen und Ängste bereitet hatte, war plötzlich so egal. 

Eine der Ängste war, auf fremde Menschen zuzugehen und um Hilfe zu fragen. Allein ins Ausland zu fahren oder zu fliegen, immer in neue Hotels zu gehen oder gar allein eine Reise zu buchen. 

Doch plötzlich war das egal. Ich wusste nur, dass ich die nächste Zukunft nur allein verbringen werde und dies schleunigst ändern sollte. Ich musste lernen, alleine zu reisen ohne Angst zu haben. 

Und das ging für mich am Besten in dem Zustand, in dem Schockzustand, in dem ich nach Steffens Tod war. Ohne Angst, ohne weitere Gefühle. 

Also plante ich meine erste große Reise, welcher noch weitere folgen sollten und welche letztendlich dazu führten, dass ich endlich auswanderte. 

Aber wie lernt man das Alleinreisen, nachdem man alles zu zweit gemacht hat?

Was tut man gegen die aufkommende Trauer unterwegs?

Meine Trauerreise zu mir selbst

Die ersten allein hinter mir gelassenen Kilometer waren furchtbar. Je mehr ich mich von meinem sicheren Kokon der Wohnung weg entfernte, umso unsicherer fühlte ich mich.

Doch trotz der anfänglichen Bedenken spürte ich auch eine wachsende Aufregung und Neugierde auf das, was mich auf meiner Reise erwarten würde.

Mit jedem weiteren Kilometer wuchs meine Begeisterung für das Unbekannte.

Ich konnte den Duft von Abenteuer in der Luft spüren und die Vorfreude auf neue Erfahrungen ließ mein Herz schneller schlagen. Die Straßen führten mich zu versteckten Schätzen und unentdeckten Winkeln der Welt, die ich zuvor nur auf Landkarten gesehen hatte.

Reisetagebuch für deine erste Reise allein

Das Auto wurde nun mein temporärer Kokon: es war in den wenigen vergangenen Stunden mein vertrauter Ort geworden, der mich auf meinen Reisen begleitete. Kein Wunder, denn schnell war der Beifahrersitz belegt mit Getränken, Knabbereien und Taschentüchern. 

Taschentücher waren sehr wichtig, denn ständig musste ich weinen: konnte ich doch das gerade gesehene nicht mit Steffen teilen. Also redete ich laut vor mich hin, ganz so, als säße Steffen neben mir. Das Radio spielte meine Lieblingssongs von Spotify. Ich war nun auf diesen meinen Rädern zuhause.

Das erste mal allein unterwegs? Mit diesen Begleiterinnen gehts:

Langsam neigte sich jedoch der erste Reisetag einem Ende zu und ich wurde zusehends unkonzentrierter. Mir war klar, nun musste ich mich der nächsten Herausforderung stellen: Nun war der Zeitpunkt gekommen, an dem ich im ersten Hotel allein einchecken musste. 

Eine Welle der Besorgnis überkam mich: Normalerweise hatte ich Steffen an meiner Seite, der vorausging oder zumindest meinen Rücken stärkte, sodass ich mich stark fühlen konnte.

Doch wie sollte ich es jetzt alleine schaffen? Ganz ohne Steffen in einem fremden Land? Die Gedanken daran ließen meine Sorgen nur noch größer werden. 

Nur noch schlimmer war die Vorstellung, alleine am Abend an einem Tisch in einem Raum voller Menschen zu sitzen. Der Gedanke, von allen angestarrt zu werden, bereitete mir Unbehagen.

Wie ich all diese Sorgen und Probleme einer allein reisenden Witwe auf Trauerreisen gelöst habe, verrate ich dir hier:

Was man mit der Trauer im Urlaub beachten sollte

Wenn man seinen Partner verloren hat, kann der idealisierte Zufluchtsort eines Urlaubs manchmal zu einer Herausforderung werden. 

Im Arbeitsalltag oder in der eigenen Wohnung hat man sich schon ein wenig an die eigene Trauer gewohnt, ist sie doch ein fester Bestandtteil geworden.

Egal wo du bist, deine Trauer ist schon längst da. 

Aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund glaubt irgendetwas in dir, dass es dir im Urlaub besser gehen würde.

Verbissen hält sich die Illusion, dass es irgendwie wie damals sein könnte. 

Nur existiert das damals nicht mehr. Erst Recht nicht im Urlaub. Im Gegenteil: kommt die Trauer im Urlaub wie ein Boomerang auf einen zurückgeknallt.

Hier gehts zu meinem schlimmsten Tag im vermeintlichen Paradies. Damals, bei meiner ersten Reise.

Kein Wunder, dass das passiert, hat man doch im Urlaub viel Zeit für sich und seine Gedanken.

Das kann im ersten Moment überwältigend sein.

Aber mit diesen Tipps schaffst du das auch:

Trauer kann sich im Urlaub intensivieren

Im Urlaub hast du viel Zeit und wenig Ablenkungen, was dazu führen kann, dass sich Gefühle der Trauer intensiver anfühlen oder sich mehr ausbreiten. Sei dir dieses Umstands bewusst und erlaube dir, diese Gefühle zu erfahren, anstatt sie zu unterdrücken. Der Trauerprozess ist ein notwendiger Heilungsprozess und es ist wichtig, dass du diese Gefühle zulässt.

Erlaube dir, im Urlaub nicht immer fröhlich zu sein 

Trauer ist ein individueller Prozess und es ist völlig in Ordnung, dass du nicht immer glücklich oder fröhlich bist. Mache dir keinen Druck, eine Fassade aufrecht zu erhalten, besonders wenn du dich im Urlaub befindest. Akzeptiere deine Gefühle und lass sie zu.

Es ist ok, einen Tag im Hotelzimmer zu bleiben!

Wenn die Trauerwelle über dir einschwappt, ist es ok, einfach im Hotelzimmer zu bleiben. Hier gibt es Roomservice, zuhause nicht! Das Museum wartet auch noch in deinem nächsten Urlaub auf dich und Bucket-Listen sind keine Pflicht. Gönne dir eine Auszeit!

Essen gehen allein

Gehe zu untypischen Zeiten, so dass der Speisesaal noch nicht voll ist. Lass dich von den Kellnern oder älteren Kellnerinnen bedienen, so bekommst du einen ruhigen und hochwertigen Platz. Schau, dass du mit dem Rücken zur Wand sitzt, dann kannst du mehr beobachten. Nimm dein Handy mit, so dass du dich im Ernstfall in die sozialen Medien flüchten kannst.

Ein guter Einstieg ist es, klein anzufangen. Suche dir zunächst ein nettes Café aus, in dem du alleine frühstücken oder in einem Restaurant in der Nähe deines Hotels zu Mittag essen kannst. Gerade in Großstädten ist es mittags oft lockerer, da viele Menschen schnell etwas essen und weitergehen. Hier fällt es weniger auf, ob du alleine oder in einer Gruppe bist, und du musst dir keine Sorgen machen, wie du die Zeit überbrücken sollst.

In vielen Destinationen ist es heute auch völlig normal, alleine in Cafés zu sitzen und zu arbeiten. Digitale Nomaden machen es vor, und niemand wird dich komisch anschauen, wenn du alleine in einer Strandbar in Tulum, Bali oder Costa Rica sitzt. Du bist Teil einer wachsenden Gemeinschaft von Reisenden, die das Alleinsein schätzen und ihre Zeit auf eigene Weise genießen.

Es kann auch hilfreich sein, sich auf das Essen selbst zu konzentrieren. Nimm ein Buch, ein Magazin oder deinen E-Reader mit ins Restaurant und genieße die Zeit beim Lesen. Du kannst dich voll und ganz auf das kulinarische Erlebnis konzentrieren und dich von den Gerichten und Aromen verzaubern lassen. So wird das Essen zu einem Genussmoment, unabhängig davon, ob du alleine oder in Gesellschaft bist.

Und hier ist noch ein wichtiger Gedanke: Die meisten Menschen um dich herum kümmern sich wahrscheinlich wenig um deine Anwesenheit. Sie sind mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt und achten nicht besonders auf dich. Es ist also unwahrscheinlich, dass du von allen angestarrt wirst. Konzentriere dich auf dich selbst und genieße dein Essen in vollen Zügen.

Nicht alles auf einmal!

Eine neue oder fremde Umgebung kann dich leicht überfordern, besonders wenn du trauerst. Versuche daher, nicht zu viele neue Aktivitäten gleichzeitig zu unternehmen. Gib dir die Erlaubnis, langsam zu machen und Dinge in deinem eigenen Tempo zu tun.

Reise nicht unbedingt als erstes an “euren” Ort

In einem vertrauten Urlaubsort können Erinnerungen präsenter sein und starke emotionale Reaktionen hervorrufen. Es ist wichtig, diese Gefühle zu akzeptieren und sie als Teil des Trauerprozesses zu betrachten. Die Verbindung zum Verstorbenen ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung

Schreib alles auf!

Mir hat es geholfen, ein Reisetagebuch zu führen. Du kannst nun alles hier im Blog nachlesen. Du musst deswegen aber keinen Blog anfangen. Für dich habe ich Reisetagebücher gestaltet, besonders für die Bedürfnisse einer Trauernden gestaltet. Mit meinen Reisetipps und Zeilen für deinen Herzensmenschen.

Klick einfach auf die Bilder, wenn dir was gefällt:

Reisen mit trauernden Freunden 

Der Partner deiner Freundin ist gestorben und dein Herz zerspringt vor Mitleid? Du hast ihr spontan angeboten, mit deiner Familie mitzureisen?

Was kannst du tun, dass dieser Urlaub nicht zum Drahtseilakt gerät? Dass du aus lauter Mitgefühl deine eigenen Emotionen außer acht lässt und am Ende nur noch der Vermittler zwischen deiner Familie und der trauernden Freundin bist?

Hier findest du Tipps für den Umgang mit Trauernden im Urlaub:

Mache den ersten Schritt

Nimm die trauernde Freundin in den Arm, frage sie, ob sie etwas erzählen möchte. Plane eine Aktivität nur mit ihr.

Sprich die Fragen aus, die dich beschäftigen

Es ist wichtig, nicht aus Unsicherheit oder Angst vor dem Falschen vor Begegnungen und Gesprächen mit Trauernden zurückzuschrecken. Der erste Schritt ist oft, die eigene Unsicherheit zu überwinden und auf die trauernde Person zuzugehen. Das kann den Unterschied zwischen Isolation und Unterstützung ausmachen.

Höre wertungsfrei zu 

Lass deine Freundin einfach reden. Lass sie die ganze Geschichte erzählen, wenns sein muss, drei mal. Frage nach wichtigen Erinnerungen hilf ihr auf diese Weise dabei, ihre Verbindung mit dem Verstorbenen aufrechtzuerhalten und die Trauer zu verarbeiten.

Halte dir deinen eigenen Freiraum

Achte auch auf deine Grenzen und kommuniziere das auch so. Das ist für uns alle schwer. Danke dass du helfen willst! Sage, wenn du bestimmte Dinge nur mit deinem Partner allein machen möchtest. Vergiss nicht. Trauernde sind dankbar, wenn sie auch mal Zeit nur für sich im Urlaubsappartement haben.

Vermeide triviale Trostsprüche

Obwohl sie gut gemeint sein mögen, können Phrasen wie „Alles wird wieder gut“ oder „Die Zeit heilt alle Wunden“ die Trauer unerwünschterweise entwerten und verletzen.

Gemeinsam schweigen und Da sein 

Es ist wichtig, Präsenz zu zeigen und den Kontakt aufrechtzuerhalten. Dies bedeutet nicht immer, dass man sprechen muss; auch gemeinsames Schweigen kann tröstlich sein 

Urlaub mit der Trauer im Gepäck

  • Erkenne, dass im Urlaub, wo du tagein und tagaus lebst und praktisch keine Verpflichtungen und Termine hast, Trauer sich mehr ausbreiten kann.
  • Fühle dich nicht gezwungen, im Urlaub fröhlich sein zu müssen.
  • Sei dir bewusst, dass die neue (fremde) Umgebung dich überfordern kann und führe nicht zu viele neue Aktivitäten gleichzeitig durch.
  • Bedenke, dass Erinnerungen in einem vertrauten Urlaubsort präsenter sein können und heftige Gefühlsreaktionen auslösen können.
  • Ändere dein Mindset und mach dir keinen Druck, fröhlich zu sein. Nutze die Zeit und den Raum für dich und deinen trauernden Körper.
  • Tue nur das, was du willst und mache dir keine Sorgen, wenn du etwas nicht mitmachen magst oder dich lieber zurückziehst.
  • Lass alle Gefühle während deines Urlaubs zu und nimm sie an, wie sie kommen. Es wird nicht nur traurige Momente geben, sondern auch viele, die dir ein Lächeln schenken werden. Trauer beinhaltet viele Gefühle.

 

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