Witwe Clicquot

Das außergewöhnliche Leben der Witwe Clicquot

von | Dez 26, 2022

In dieser Reihe mit Geschichten von starken Witwen nehme ich dich mit auf eine Reise durch die Geschichte von starken Frauen, die vor ähnlichen Problemen standen wie du und aus der Kraft ihrer Erfahrung etwas Großes erschaffen konnten. Frauen, die es allein wieder auf die Beine geschafft haben und noch mehr. Heute: die Witwe Clicquot:

Wer war Barbe-Nicole Cliquot-Ponsardin?

Veuve Clicquot (Veuve französisch für Witwe) , deren richtiger Name Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin war, war eine bekannte französische Unternehmerin und Champagnerherstellerin des 19. Jahrhunderts. Sie wurde 1777 in Reims in der Champagne in Frankreich geboren und heiratete im Alter von 21 Jahren den Champagnerhersteller François Clicquot. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1805 übernahm sie das Familienunternehmen und führte es zu großem Erfolg.

So steht es in den Büchern geschrieben. Aber welche Geschichte sich dahinter verbirgt, mag kaum einer erahnen:

Wie konnte sie als Witwe zu der damaligen Zeit Geschäfte führen?

Eigentlich unvorstellbar: durfte zu jener Zeit eine Frau keine Geschäfte betreiben, geschweige denn ein Bankkonto führen. Das ging übrigens in der BRD auch erst ab 1958, aber ich schweife ab… Warum war es dennoch für Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin möglich, die Geschäfte des Unternehmens zu führen? Witwen hatten eine Sonderstellung, sie durften den Betrieb des verstorbenen Gatten weiterführen.

Die zukünftige Grande Dame des Champagners verstand anfangs kaum etwas von Champagner. Mühsam brachte sie sich im Alter von 27 Jahren alles Wissen selbst bei, sie beobachtete die Traubenernte, verkostete, bis sie wusste, worauf es bei einem Qualitätsprodukt ankommt. Barbe-Nicole entwarf eine elegantere Flaschenform, schuf das erste Etikett für Champagnerflaschen und erfand den Rosé-Champagner.

Die Geschichte zwischen den Zeilen ist eine viel Aufreibendere:

Barbe-Nicole wuchs in der Zeit der französischen Revolution auf. Protz und Prunk gewohnt, erlebte sie hautnah die Verfolgung der Wohlhabenden mit. 

Nur durch einen geschickten Schachzug ihres Vaters, der sein Fähnchen in richtigen Wind wendete – Revolutionen kommen und gehen – kam ihre Familie unbescholten davon.

Mit 18 heiratete sie ihren Mann François offiziell im Geiste der Revolution. Inoffiziell nach katholischem Glauben (zu der Zeit verboten) in einem der gigantischen unterirdischen Keller-Katakomben, die schon die Römer angelegt haben, in denen der Wein gelagert wurde. 

Junge Liebe

Gemeinsam träumten die beiden davon, mit der Herstellung des Champagners und dessen Handeln noch weiter zu expandieren. Sie genossen die Zeit der Liebe, fuhren über ihre Ländereien und spannen an großen Ideen. François war leicht zu begeistern und die Pläne riesig. 

Himmelhoch jauchzend und dann wieder zu Tode betrübt. 

Eine Tochter wurde geboren. Das Glück schien perfekt. 

Doch nun begann eine Reihe von Missgeschicken. Obwohl ihre Ideen genial waren, ist der Handel in einem Revolutionsgetriebenen Land eine riskante Angelegenheit. 

Französische Waren wurden boykottiert. Eine riesige Ladung Champagner vergammelte in einem Lager von Amsterdam. Niemand wollte den Champagner.

Plötzlich Witwe

François hielt es nicht mehr aus. Die nächste Pleite, das nächste Unglück. Ständig wurden von außen Steine in den Weg gelegt. 

Offiziell starb er an einem Fieber. Es gibt jedoch Vermutungen, dass er Suizid begangen hat.

Barbe-Nicole stand nun ganz allein mit einer Tochter da. Was tun?

Geschäftstüchtig

Sie hatte die Geschäftstüchtigkeit ihres Vaters geerbt und ging eine Geschäftspartnerschaft ein, in welcher sie alles auf eine Karte setzte – und wieder pleite ging. Der Partner zog sich zurück. 

Napoleon wurde zurückgestoßen, die Russen standen vor Reims. 

Die Keller voll mit Jahrgangschampagner, den man nicht verkaufen konnte. Wegen Krieg. 

Wenn dieser Keller geplündert werden würde, wären sie pleite…

Barbe-Nicole war schlau. Sie ließ die Keller verbarrikardieren. Als die Russen die Stadt eingenommen hatten, gab sie gezielt den Champagner an die Gewinner aus. 

Ein kluger Schachzug:

Von nun an wurde das Getränk immer mit dem Sieg verbunden. Auf jeder Seite.

 

Der Krieg ist vorbei

Sobald sich die Russen wieder zurückgezogen hatten, lies Barbe-Nicole ein Schiff mit ihrem letzten Champagner beladen und nach Russland schiffen.

Die Grenzen waren noch geschlossen, der Handel noch verboten.

Sie pokerte hoch.

Das Schiff lag in Königsberg.

Doch die Kunde vom Champagner der Witwe Cliquot als Siegesgetränk sprach sich herum.

Schon im Hafen wurde ein Teil zu horrenden Preisen verkauft. Der Rest wurde nach Russland verschifft.

Das erste Mal Gewinn seit 12 Jahren!

Hartnäckigkeit zahlt sich aus.

Der Rest ist Geschichte:

 

Die talentierte Witwe Clicquot

Während ihrer Zeit als Geschäftsführerin der Champagnerfirma Clicquot etablierte die Witwe Clicquot viele Praktiken, die heute noch in der Champagnerherstellung verwendet werden. Dazu gehört die Technik des Remuage, bei der die Flaschen gedreht werden, um die Hefeablagerungen an der Flaschenwand zu entfernen. Sie entwickelte auch die sogenannte Cuvée-Methode, bei der verschiedene Weine aus verschiedenen Jahrgängen gemischt werden, um einen konsistenten Geschmack zu erzielen.

Veuve Clicquot war auch eines der ersten Champagnerhäuser, die ihren Champagner in Flaschen verkaufte, anstatt ihn in Fässern zu verschiffen. Dies ermöglichte es ihr, ihren Champagner in andere Länder zu exportieren und so ihr Geschäft zu erweitern. Sie war auch eine der ersten Unternehmerinnen, die Frauen in Führungspositionen einstellte und ihnen die gleichen Chancen und Vergünstigungen wie Männern gab.

Ihr Champagnerhaus exportierte bis nach China. Sie hatte den ersten Exklusivauftrag mit dem russischen Königshaus. Aber mit viel Erfolg kommt auch viel Rückschlag. Denn trotz ihres Erfolgs und ihrer Innovationskraft war Madame Clicquot auch von Herausforderungen und Rückschlägen betroffen: Im Jahr 1811 wurde ihr Unternehmen von Napoleons Armee beschlagnahmt und sie musste sich mit hohen Geldstrafen und Schulden herumschlagen. Trotzdem blieb sie zäh und kämpfte sich zurück an die Spitze.

Madame Clicquot starb im Alter von 89 Jahren im Jahr 1866. Ihr Name ist heute noch Synonym für hochwertigen Champagner und ihre Erfindungen und Praktiken werden immer noch in der Champagnerherstellung verwendet. Sie gilt als eine der bedeutendsten Unternehmerinnen Frankreichs und ihr Beitrag zur Champagnerindustrie ist unbestritten.

Starke Witwen und Champagner

Barbe-Nicole Clicquot ebnete als Grande Dame der Champagne so einer langen Reihe von Frauen, die ihren Partner verloren hatten, mit ihrem Vermächtnis den Weg ins Champagnergeschäft. Weitere berühmte Französinnen aus der Champagne waren:

Louise Pommery übernahm 1860 in Reims das Erbe ihres Mannes, eines kleinen Champagnerproduzenten, der vor allem nach England exportierte.

Mathilde Emilie Perrier stieg 1887 nach dem Tod ihres Mannes in das Geschäft mit dem doppelt gegärten Traubensaft ein. Mit einer kommerziellen Ader ausgestattet, nahm sie eine der ersten der später verbreiteten Betriebsfusionen der Branche vor und legte die Grundlage für Laurent-Perrier, eine der heute meistverkauften Champagnermarken, deren Geschäftsmodell noch heute als wegweisend gilt.

Lily Bollinger ist ebenfalls eine clevere Champagnerchefin, deren Schaumwein durch die James-Bond-Filme berühmt wurde. Ihr geschäftsführender Gatte verstarb mitten im zweiten Weltkrieg.

Heute werden mehrere Champagnerhäuser durch Frauen geleitet, wie etwa durch Vitalie Taittinger oder Nathalie Vranken. Außerdem nennen sich Häuser Veuve Fourny und Veuve Doussot, natürlich nach ihren legendären Ahninnen. Oder sie werden selbst durch Witwen geführt. Die derzeitig bekannteste Witwe ist die Belgierin Carol Duval-Leroy, die seit dem Tod ihres Mannes im Jahr 1991 an der Spitze des gleichnamigen Traditionshauses steht.

Feiere dich doch mal mit Champagner!

Du siehst, du kannst auch aus einer scheinbar verfahrenen Situation etwas Grandioses erschaffen. Auch wenn du dich heute vielleicht noch nicht mal ansatzweise danach fühlst, wirst du in ein paar Monaten anders darüber denken. Wenn du etwas Starthilfe brauchst, kann dich mein Newsletter unterstützen.

Fazit:

Egal wie schwer und unmöglich es erscheint, du kannst es schaffen! Natürlich gibt es Rückschläge, aber was sollen das bitte für Rückschläge sein, die dich noch umhauen sollen? Das Schlimmste hast du doch schon überlebt, oder?

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